Dieser Blog ist untot.
Eisiges Schweigen liegt über den Papierstapeln, hoch aufgetürmt wie Grabsteine. Vereinzelte Besucher verweilen nur kurz und ziehen mit einem enttäuschten Murmeln von dannen. Wieder kein Zeichen von ihm.
Der Herbstwind trägt die unbeschriebenen Blätter davon, verstreut sie wild und hinterlässt die Welt der Träume bedeckt mit einer blütenweißen Schicht.
Es ist Winter geworden. Nicht kalt, nur einsam und leer.
Tot.
Doch tief darunter hat etwas überlebt. Es gräbt dort in der Dunkelheit, sucht nach einem Funken von Bedeutung, einem Rohdiamanten, einer Idee, die man zu einem glänzenden Brillanten schleifen kann.
Doch kein Gedanke ist gut genug, um damit heimzukehren. Er müht sich jeden Tag ein Stück tiefer in das feste Gestein, über Wochen und Monate. Je länger er diese Finsternis erträgt, umso bedeutungsvoller muss der Gedanke sein, der die lange Zeit seiner Abwesenheit rechtfertigen kann.
Sein erschöpftes Hämmern verhallt in der Tiefe, nichts dringt zur Oberfläche. Kein Laut, nur Grabesstille. Besuche werden selten, doch gerade, als sich der Letzte seiner Leser abwenden will, taumelt er zurück ans Tageslicht. Entkräftet und mit nichts als Goldstaub an den Fingern stolpert er ohnmächtig über die eigenen Worte:
Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, dann kommen die Träume auf Papier!

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