Scotch in eisgekühlten Gläsern, auf der Veranda vorm Zelthaus. Der Blick über ein Meer aus verdorrtem Gras, auf dem verstreute Dornenbüsche herumtreiben bis zu den Strommasten am Horizont. Ich stille meinen Durst an der Landschaft, wie die Springböcke am Wasserloch vor mir. Sie trinken ohne Eile, bevor sie gemächlich in der Weite verschwinden oder reglos im Schatten kleiner Bäume verweilen. Es ist zu heiß für jede schnelle Bewegung.

Ich lehne mich zurück in das rostige Gestell mit den bequemen neuen Polstern und stelle mir vor ich wäre Hemingway. Die Elefantenflinte an den Sessel gelehnt, das Gefühl der großen Freiheit im Herzen und die Schreibmaschine auf dem Tisch, um davon zu erzählen. Erst der Abendwind kühlt meinen Kopf.

Die Sonne sinkt rot und die Dunkelheit entlässt die unzähligen Gefangenen des Tages. Ungesehene Kreaturen: Skorpione kommen aus ihren Löchern und Tausendfüßler winden sich über den Sand, riesige schwarze Käfer fliehen das Licht meiner Taschenlampe und entgrabbeln in die Nacht. Wolkenfetzen verhüllen unbekannte Sternbilder und das Licht der Kerze stirbt, noch bevor der Scotch ganz leergetrunken ist.
Der Nachtwind wirft sich gegen das Gebälk. Wild und rastlos reist er an den Stoffwänden, wie ein verzweifelter Einbrecher, der nicht die Tür zu öffnen vermag. Er tritt vor Wut dagegen und rüttelt an den Fenstern, damit ich vor Angst nicht zur Ruhe finde und gibt nicht auf, bevor ich vor Erschöpfung eingeschlafen bin.

Meine Liebste weckt mich in der Stille des Morgens. Die Sonne hebt sich hinter den roten Dünen und bleibt doch unsichtbar. Nur die Kanten einer Wolke schneidet sie scharf und in gleißendem orange aus dem blauen Himmel. Die einzigen Zeichen der Regenzeit bisher. Doch die Sonne wird sie fressen, noch vor dem Mittag.

Deathvlei

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