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Hörspiel zum Frühstück, Buch zur Mittagspause und noch zwei Krimis als Betthupferl.

Schon enorm, was man sich so in den Kopf stopft. Und selten nimmt man sich Zeit darüber nachzudenken, ehe man sich die nächste Geschichte reinzieht. Klar, manche Szenen wühlen einen auf und kommen noch einmal hoch. Doch das meiste geht einfach so durch.

Das ist schade. So ist man reiner Konsument, der nichts Produktives mit dem Aufgenommenen anfängt und sich nicht zum „Erlebten“ in Beziehung setzt. Dabei gäbe es einiges zu lernen aus Erzählungen, zum Beispiel über das Erzählen selbst.

Um meinen Blick auf Struktur und Stil von Erzählungen zu schärfen, möchte ich alles was ich konsumiere zumindest ein wenig anverdauen und in wenigen Worten reflektieren.

Oscar Wilde – Bunbury

Eine triviale Komödie für ernsthafte Leute

Der Originaltitel The importance of being Ernest gefällt mir besser.

Das leichte 90-seitige Heftchen von Reclam ist wirklich eine angenehme Auflockerung zum 1000-seitigen Der Zauberberg von Thomas Mann, an dem ich mich seit 3 Monaten abmühe. Das schmale Büchlein kann man auf einer längeren Zugfahrt weglesen. In seiner eleganten, pointierten Sprache ist es ein überaus vergnüglicher Reisebegleiter. Jede Zeile sprüht vor intelligentem Witz, der dank der hervorragenden Übersetzung von Rainer Kohlmayer auch im Deutschen funktioniert. Denn gerade in den Details und in der Sprache liegt der Reiz dieses Büchleins, während die Haupthandlung dieser Theaterkomödie kaum mehr zu bieten hat als eine Feierabendserie.

Die Sprache trägt die geistige Haltung des Autors und seiner Figuren, diese amüsierte Distanz zur Welt, die in Wahrheit nur Selbstschutz ist. Denn wie es Oscar Wilde so schön ausdrückt:

„Die Grundlage des Optimismus ist nichts anderes als das Entsetzen.“

Ganz sicher seine 3 Euro wert!

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